Pretin: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Pretin_Stadtansicht.png|mini|hochkant=1.6|Pretin während des Großen Turniers. Rund um die alte Wehrstadt erstreckt sich das Zeltlager der Ritter, Händler und fahrenden Leute.]] | |||
'''Pretin''' ist eine alte Wehrstadt in der [[Malenei]] und im gesamten [[Mittelreich]] als die '''Stadt der 1000 Banner''' bekannt. Der Beiname bezieht sich nicht auf die Größe der Stadt, sondern auf das alljährliche [[#Das Große Turnier|Große Turnier]], zu dem Ritter, Gaukler und Händler aus weiten Teilen [[Ganthor]]s ihre Zelte und Banner vor den Mauern aufschlagen. | |||
Den Kern Pretins bildet die Burg '''Ehorns Thron''', die im Jahr 87 nach Samon auf einer niedrigen Anhöhe über einer Quelle errichtet wurde. Aus der befestigten Ruhestätte des Ritters [[Ehorn Weißfels]] entstand im Laufe der Jahrhunderte eine Stadt mit etwa 7.500 freien Bürgern und Rittern. Regiert wird sie vom [[#Der Rat der Fünf|Rat der Fünf]], dessen Mitglieder sich als Bewahrer von Ehorns geistigem Erbe verstehen. | |||
Pretin ist für seine schwere Reiterei, seine Pferdezucht und seine ausgezeichneten Waffen- und Rüstungsschmiede berühmt. Der Rat besitzt innerhalb der Malenei so viel militärische und religiöse Autorität, dass selbst der Fürst des Landes seine Entscheidungen nur begrenzt beeinflussen kann. | |||
=== | == Lage und Entwicklung == | ||
Pretin liegt in sanftem Hügelland, das sich nach Norden hin in die weiten Ebenen [[Cor]]s öffnet. Nur bei klarem Wetter sind am Horizont die ersten Ausläufer des [[Harratmassiv|Harratgebirges]] zu erkennen. Die freie Sicht war ausschlaggebend für den Bau Ehorns Throns: Eine größere Streitmacht könnte sich der Stadt kaum unbemerkt nähern, während die schwere Reiterei auf den offenen Flächen ihre größte Wirkung entfaltet. | |||
In der mehr als fünfhundertjährigen Geschichte der Stadt hat deshalb noch keine Armee einen Angriff auf Ehorns Thron gewagt. Ob allein die günstige Lage oder auch der Ruf der Pretiner Ritter dafür verantwortlich ist, lässt sich kaum trennen. | |||
In langen Friedenszeiten suchten verarmte und vertriebene Bauern aus [[Barden]] und [[Urtha]] Schutz an der Burg. Unter ihnen befanden sich auch ehemalige Leibeigene aus [[Schleebruch]]. Rund um die Befestigung entstanden Häuser, Werkstätten und bestellte Felder. Holz und Stein mussten in langen Transportzügen aus dem Harratgebirge herbeigeschafft werden. | |||
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Als die Siedlung wuchs, wurden die äußeren Befestigungen zu Stadtmauern ausgebaut. Die Mauern der alten Burg durchbrach man an sieben Stellen mit Toren, sodass der einstige Burghof zum öffentlich zugänglichen Zentrum der Stadt werden konnte. | |||
== Stadtbild == | |||
Pretin besteht aus dem befestigten alten Zentrum und den jüngeren Stadtvierteln, die sich ringsum ausbreiten. Jenseits der Mauern liegen Felder, Kornspeicher, Pferdekoppeln und große Stallhöfe. Dort werden die zahlreichen Reit- und Zugtiere versorgt, die im engen Stadtkern kaum Platz fänden. | |||
Die | Die Stadt wirkt außerhalb der Turnierzeit überschaubar und geordnet. Während des Großen Turniers verändert sie sich dagegen vollständig. Dann reichen Zeltplätze, provisorische Märkte, Küchen, Schmieden und Pferche weit in die umliegenden Felder. Die Versorgung der vielen Gäste verlangt nach sorgfältiger Planung; Wege, Brunnen und Weideflächen werden bereits Wochen vor Beginn des Festes eingeteilt. | ||
=== Ehorns Thron und das Zentrum === | |||
Das Zentrum liegt innerhalb der hohen Mauern der alten Burg. Seine sieben Tore und der weitläufige Innenhof verhindern, dass der Bezirk trotz der schweren Steinmauern düster wirkt. Banner, Wimpel und farbige Bemalungen prägen die Fassaden und nehmen das geschäftige Treiben der Straßen auf. | |||
Das Herz der Stadt bilden der zentrale Brunnen und das Hauptgebäude des Rates der Fünf. Große Stallungen gibt es hier nicht. Lediglich die Streitrösser der fünf Ratsritter und ihrer Leibwachen werden in einem abgelegenen Teil des Burghofs untergebracht; die übrigen Pferde stehen an den Stadträndern oder auf einem eigens eingerichteten Hof in der Ebene. | |||
Neben dem Ratsgebäude erhebt sich eine reich geschmückte Kirche des [[Ignatus]]. Der Überlieferung zufolge liegt darunter eine weit verzweigte, aus dem Fels geschlagene Krypta. In ihr sollen Ehorn Weißfels und alle späteren Ratsritter bestattet worden sein. | |||
Vor knapp hundert Jahren beschloss der Rat, große Teile der Burg zu verkaufen und die Räume besser zu nutzen. Seither befinden sich an der Innenseite der Mauern herrschaftliche Wohnungen, Werkstätten und Geschäfte. Zwei davon sind weit über Pretin hinaus bekannt. | |||
==== Krämer „Turmspitz“ ==== | |||
Der Krämerladen '''Turmspitz''' nimmt einen der drei großen Burgtürme vom Keller bis zum Giebel ein. Eigentümer ist der mehr als hundert Jahre alte Halbling [[Samlusch Frostein]], ein ausgesprochen harter Händler, der Tauschgeschäfte liebt und fast immer zu seinem eigenen Vorteil abschließt. | |||
Alle Stockwerke sind mit Tausenden alten und verstaubten Gegenständen gefüllt. Viele besitzen eine bemerkenswerte Geschichte, doch kennt nicht einmal Samlusch zu jedem Stück Herkunft und Wert. In den vergangenen Jahren verkaufte er wertvolle Manuskripte, Schatzkarten sowie seltene elfische und zwergische Gegenstände weit unter Preis. Seine Wut darüber hat ihn verbittert und noch misstrauischer gemacht. | |||
Samlusch ist edlen [[Feentränen]] und dem berüchtigten Steinlausschnaps nicht abgeneigt. Wer ihn „Frosch-Stein“ nennt, sollte den Turm besser schnell verlassen. | |||
== | ==== Alchemist „Heptalon“ ==== | ||
[[Furgarion Heptalon]] ist Meisterheiler und weit über die Stadt hinaus für die Behandlung von Krankheiten, Vergiftungen und Knochenbrüchen bekannt. Er lebt über dem alten Nordtor und unterhält dort drei Behandlungszimmer, einen Ruheraum und ein gut ausgestattetes Labor. Zwei Gehilfen unterstützen ihn bei der Versorgung seiner Patienten. | |||
Heptalon teilt seine Erkenntnisse bereitwillig mit anderen Heilkundigen. Gegen einen kleinen Obolus dürfen sie sein Labor verwenden und seine Rezeptbücher einsehen; Kollegen berät er gewöhnlich kostenlos. Bei einer Behandlung bestimmt er jedoch Raum, Nahrung und Tagesablauf seiner Patienten mit unerbittlicher Genauigkeit. | |||
Gerüchten zufolge ist Heptalon der Leibarzt der fünf Ratsritter und kennt einen alten Geheimgang vom Nordtor zur Ratshalle. Magische Heilung lehnt er grundsätzlich ab. Nach seiner Ansicht kann die augenblickliche Wiederherstellung des Körpers die Genesung des Geistes verhindern. | |||
== Herrschaft und Glaube == | |||
=== Ehorns Erbe === | |||
Ehorns Thron war ursprünglich die befestigte letzte Ruhestätte von [[Ehorn Weißfels]], einem frühen Ritter im Dienst des Ignatus-Ordens. Ehorn zog mit seinem Gefolge durch die Lande, bekämpfte Ungeheuer und Plünderer und gewann damit das Vertrauen der Bevölkerung. Sein Wirken trug erheblich dazu bei, den Glauben an Ignatus in Cor zu verbreiten. Der Orden unterstützte ihn mit Geld und Schenkungen ganzer Landstriche. | |||
Auf dem Sterbebett ernannte Ehorn fünf seiner tapfersten Gefährten zu seinen „Söhnen im Geiste“. Er vertraute ihnen die Vision eines glücklichen, goldenen Landes an. Die fünf Ritter schworen, diese Vision fortzuführen, und verbanden ihr Amt mit fünf einzigartigen Siegelringen. Seither werden die Ringe von Ratsritter zu Ratsritter weitergegeben. | |||
=== Der Rat der Fünf === | |||
Der Rat der Fünf regiert Pretin gemeinschaftlich. Die Ratsritter beraten über wichtige Angelegenheiten, ernennen Verwalter und halten regelmäßig Audienzen ab, bei denen auch einfache Bürger ihre Anliegen vorbringen können. In der öffentlichen Überlieferung gelten sie als ungewöhnlich einig; offene Berichte über Verrat oder Missgunst innerhalb des Rates sind nicht bekannt. | |||
Der Rat | |||
Ob diese Eintracht allein auf Tradition und sorgfältiger Auswahl beruht, ist Gegenstand vieler Geschichten. Über die fünf Siegelringe heißt es unter anderem: | |||
* Jeder Ring berge einen Teil von Ehorns Seele. Sobald die fünf Träger zusammenkommen, erscheine sein Geist und leite ihre Entscheidung. | |||
* Die Ratsritter seien keine Menschen mehr, sondern [[Engel]], denen die Ringe menschliche Gestalt verleihen. | |||
* Die Ringe zwängen jeden, der sich den Ratsrittern gegenüber verantworten muss, zur Wahrheit. | |||
== | Diese Erzählungen werden in Schenken und auf Festen gern wiederholt. Der Rat selbst äußert sich nicht dazu. | ||
Der Ignatus-Kult besitzt großen Einfluss auf die Stadt. Der Rat unterstützt den Fürsten der Malenei vor allem in Angelegenheiten, die mit den Lehren und Interessen der Kirche vereinbar sind. Umgekehrt kann der Fürst Entscheidungen Pretins gegen den Willen des Ordens kaum durchsetzen. | |||
==== | |||
Der | == Das Große Turnier == | ||
====[[ | |||
Das Große Turnier findet jedes Jahr einen Monat nach dem Sommerfest statt. Es gehört neben den Wettkämpfen von [[Kalesch]], [[Adar]] und Barden zu den bedeutendsten Turnieren der Menschen. Anders als bei den prunkvollen Schauspielen in Kalesch tritt in Pretin jeder Ritter im Wesentlichen für sich selbst an. | |||
Die Teilnehmer müssen sich sowohl im Kampf zu Fuß als auch auf einem Reittier bewähren. Neben Pferden werden Reitechsen und in seltenen Fällen sogar Greifen oder Pegasi zugelassen. Gefordert werden Kampfkunst, Reitkunst, Geschicklichkeit und Ausdauer. Trotz stumpfer Übungswaffen enden einzelne Begegnungen mit schweren Verletzungen oder Todesfällen. | |||
Da die Zahl der Bewerber beständig steigt, werden Vorentscheidungen in großen Scheingefechten ausgetragen. Erst wer diese übersteht, darf am eigentlichen Turnier teilnehmen. | |||
Während des Festes wächst Pretin zeitweise auf ein Vielfaches seiner gewöhnlichen Größe an. Zu den Rittern kommen ihre Gefolge, Schauspieler, Gaukler, Handwerker und fahrende Händler. Das Zeltmeer und seine zahllosen Feldzeichen gaben Pretin den Beinamen Stadt der 1000 Banner. | |||
== Die Ritter Pretins == | |||
Wohlhabende Bürger können ihre Söhne und Töchter einem Pretiner Ritter zur Ausbildung anvertrauen. Die Lehrzeit ist lang und entbehrungsreich; manche Zöglinge sehen ihre Familien mehrere Jahre nicht. | |||
Neben Kampf, Reitkunst und ritterlicher Sitte umfasst die Ausbildung die Glaubenslehre des Ignatus, die Kunde von Dämonen und Wesen der [[Todesmagie]], das Recht des Mittelreichs sowie Sagen über die Entstehung der Welt. Lesen, Schreiben und Rechnen gehören ebenfalls dazu. | |||
Der Lehrmeister bürgt mit seinem Namen für seinen Zögling. Wenn er die Ausbildung für beendet hält, gestattet er die Teilnahme am Großen Turnier. Danach wird der junge Ritter aus seinem Dienst entlassen und erhält gewöhnlich Schwert, Schild und einen Waffenrock mit eigenem Wappen. | |||
Fürsten aus anderen Ländern beobachten die Wettkämpfe und werben vielversprechende Kämpfer für ihr Gefolge an. Auch der Rat der Fünf soll jedes Jahr einzelne junge Ritter auswählen und deren weiteren Weg verfolgen. Ob sie als spätere Nachfolger der Ratsritter vorgesehen sind, bleibt unbekannt. | |||
=== Truppenstärke === | |||
Pretin hält rund 400 schwer gepanzerte Ritter unter Waffen. Mit Gefolge und Unterstützungstruppen kann die Stadt mehr als 2.000 Kämpfer aufbieten. Nicht alle Ritter leben ständig in Pretin; durch Boten und Brieftauben können jedoch binnen weniger Tage etwa 300 von ihnen zusammengezogen werden. | |||
Die schwere Reiterei ist für geschlossene Angriffe auf offenem Gelände ausgebildet. Auf Hornsignale kann sie ihre Angriffsrichtung rasch ändern und Verteidigungsstellungen umgehen. Diese Beweglichkeit, die gute Pferdezucht und die große Zahl erfahrener Ritter machen Pretin zu einer der stärksten einzelnen Militärmächte der Malenei. | |||
== Wirtschaft und Handwerk == | |||
Die Pferdezucht ist der bekannteste Wirtschaftszweig Pretins. Der Begriff '''Pretiner Hengst''' gilt im Mittelreich als Synonym für ein besonders schnelles Pferd. Solche Tiere werden unter anderem von den Blauen Reitern, den Pfeilboten und den Boten des Sturmfalken eingesetzt. Daneben züchten die Ritter kräftige Streitrösser, die einen gepanzerten Reiter samt Waffen und eigener Pferderüstung tragen können. | |||
Eng mit der Reiterei verbunden ist die Herstellung von Waffen, Rüstungen, Schilden und Reitzeug. Die Meisterwerkstätten Pretins genießen einen ausgezeichneten Ruf, verlangen aber entsprechend hohe Preise. Sattler, Hufschmiede, Wagner und Tierheiler finden in der Stadt das ganze Jahr über Arbeit. | |||
Pretin ist außerdem für ein leichtes Bier bekannt, das zu fast jeder Mahlzeit getrunken wird und während des Turniers reißenden Absatz findet. Bei Zwergen gilt es dagegen als ausgesprochen dünn. | |||
Die umliegenden Äcker und großen Kornspeicher sichern einen Teil der Versorgung. Das Große Turnier überfordert die örtlichen Vorräte dennoch regelmäßig, sodass Händler schon Wochen zuvor Getreide, Fleisch, Futter und Brennholz aus der Malenei und aus Cor heranschaffen. | |||
== Politische Beziehungen == | |||
=== Fürst der Malenei === | |||
Der Rat erkennt die Herrschaft des Hauses [[Parping]] grundsätzlich an, folgt dem Fürsten jedoch nur, solange dessen Forderungen mit den Interessen Pretins und des Ignatus-Ordens vereinbar sind. Die eigene Truppenstärke und die weitgehend gesicherte Versorgung verleihen der Stadt dabei erheblichen Handlungsspielraum. | |||
=== Kaiserreich === | |||
Kaiser [[Illiasan]] bestätigte die bestehenden Verträge mit dem Ignatus-Kult. Daher stehen die Ritter Pretins trotz der Unabhängigkeit der Fürstentümer und trotz des elfischen Blutes des Kaisers weiterhin loyal zu ihm. | |||
Illiasans Herkunft hat jedoch eine innerstädtische Debatte ausgelöst. Bislang können nur Menschen zu Rittern Pretins erhoben werden. In der Stadt und möglicherweise auch im Rat wird darüber gestritten, ob diese Beschränkung noch mit Ehorns Erbe vereinbar ist. | |||
=== Andere Fürstentümer === | |||
Das Verhältnis zu [[Barden]] ist von Misstrauen und Feindschaft geprägt. Die äußerst abwertenden Beschreibungen Bardens, die in Pretin verbreitet werden, spiegeln vor allem die Haltung des Rates und der dortigen Ritterschaft wider. Das Bündnis zwischen Barden und Urtha wird als mögliche Bedrohung betrachtet. | |||
Mit [[Kaer]] verbindet Pretin die gemeinsame Nähe zum Ignatus-Kult. Das Bündnis beider Länder begrenzt zugleich Bardens militärischen Handlungsspielraum. | |||
Mit Urtha besteht ein lockeres Handelsabkommen. Pretin liefert Getreide, Fleisch und Bier und erhält dafür Eisenerzeugnisse, Erze und Rodungsrechte am Nordhang des Harratgebirges. Beide Seiten wissen, dass das Verhältnis vor allem aus gegenseitigem Nutzen und politischer Vorsicht besteht. | |||
== Gerüchte und Abenteuerideen == | |||
* Kurz vor dem Großen Turnier verschwindet einer der fünf Siegelringe. Der Rat versucht, die Suche geheim zu halten, während sich bereits falsche Träger zu erkennen geben. | |||
* In Samlusch Frosteins Turm wird eine alte Karte gefunden, die einen Raum unter der Krypta zeigt. Der Halbling kann sich weder an ihren Erwerb noch an ihren Verkauf erinnern. | |||
* Mehrere Pretiner Hengste brechen in derselben Nacht aus ihren bewachten Ställen aus und laufen geschlossen nach Norden. | |||
* Eine nichtmenschliche Ritterin gewinnt die Vorentscheidung des Turniers und fordert öffentlich ihre Aufnahme in die Pretiner Ritterschaft. | |||
* Ein Bote bringt Beweise dafür, dass das Bündnis zwischen Barden und Urtha anders lautet, als der Rat bisher angenommen hat. | |||
Aktuelle Version vom 3. August 2026, 20:44 Uhr

Pretin ist eine alte Wehrstadt in der Malenei und im gesamten Mittelreich als die Stadt der 1000 Banner bekannt. Der Beiname bezieht sich nicht auf die Größe der Stadt, sondern auf das alljährliche Große Turnier, zu dem Ritter, Gaukler und Händler aus weiten Teilen Ganthors ihre Zelte und Banner vor den Mauern aufschlagen.
Den Kern Pretins bildet die Burg Ehorns Thron, die im Jahr 87 nach Samon auf einer niedrigen Anhöhe über einer Quelle errichtet wurde. Aus der befestigten Ruhestätte des Ritters Ehorn Weißfels entstand im Laufe der Jahrhunderte eine Stadt mit etwa 7.500 freien Bürgern und Rittern. Regiert wird sie vom Rat der Fünf, dessen Mitglieder sich als Bewahrer von Ehorns geistigem Erbe verstehen.
Pretin ist für seine schwere Reiterei, seine Pferdezucht und seine ausgezeichneten Waffen- und Rüstungsschmiede berühmt. Der Rat besitzt innerhalb der Malenei so viel militärische und religiöse Autorität, dass selbst der Fürst des Landes seine Entscheidungen nur begrenzt beeinflussen kann.
Lage und Entwicklung
Pretin liegt in sanftem Hügelland, das sich nach Norden hin in die weiten Ebenen Cors öffnet. Nur bei klarem Wetter sind am Horizont die ersten Ausläufer des Harratgebirges zu erkennen. Die freie Sicht war ausschlaggebend für den Bau Ehorns Throns: Eine größere Streitmacht könnte sich der Stadt kaum unbemerkt nähern, während die schwere Reiterei auf den offenen Flächen ihre größte Wirkung entfaltet.
In der mehr als fünfhundertjährigen Geschichte der Stadt hat deshalb noch keine Armee einen Angriff auf Ehorns Thron gewagt. Ob allein die günstige Lage oder auch der Ruf der Pretiner Ritter dafür verantwortlich ist, lässt sich kaum trennen.
In langen Friedenszeiten suchten verarmte und vertriebene Bauern aus Barden und Urtha Schutz an der Burg. Unter ihnen befanden sich auch ehemalige Leibeigene aus Schleebruch. Rund um die Befestigung entstanden Häuser, Werkstätten und bestellte Felder. Holz und Stein mussten in langen Transportzügen aus dem Harratgebirge herbeigeschafft werden.
Als die Siedlung wuchs, wurden die äußeren Befestigungen zu Stadtmauern ausgebaut. Die Mauern der alten Burg durchbrach man an sieben Stellen mit Toren, sodass der einstige Burghof zum öffentlich zugänglichen Zentrum der Stadt werden konnte.
Stadtbild
Pretin besteht aus dem befestigten alten Zentrum und den jüngeren Stadtvierteln, die sich ringsum ausbreiten. Jenseits der Mauern liegen Felder, Kornspeicher, Pferdekoppeln und große Stallhöfe. Dort werden die zahlreichen Reit- und Zugtiere versorgt, die im engen Stadtkern kaum Platz fänden.
Die Stadt wirkt außerhalb der Turnierzeit überschaubar und geordnet. Während des Großen Turniers verändert sie sich dagegen vollständig. Dann reichen Zeltplätze, provisorische Märkte, Küchen, Schmieden und Pferche weit in die umliegenden Felder. Die Versorgung der vielen Gäste verlangt nach sorgfältiger Planung; Wege, Brunnen und Weideflächen werden bereits Wochen vor Beginn des Festes eingeteilt.
Ehorns Thron und das Zentrum
Das Zentrum liegt innerhalb der hohen Mauern der alten Burg. Seine sieben Tore und der weitläufige Innenhof verhindern, dass der Bezirk trotz der schweren Steinmauern düster wirkt. Banner, Wimpel und farbige Bemalungen prägen die Fassaden und nehmen das geschäftige Treiben der Straßen auf.
Das Herz der Stadt bilden der zentrale Brunnen und das Hauptgebäude des Rates der Fünf. Große Stallungen gibt es hier nicht. Lediglich die Streitrösser der fünf Ratsritter und ihrer Leibwachen werden in einem abgelegenen Teil des Burghofs untergebracht; die übrigen Pferde stehen an den Stadträndern oder auf einem eigens eingerichteten Hof in der Ebene.
Neben dem Ratsgebäude erhebt sich eine reich geschmückte Kirche des Ignatus. Der Überlieferung zufolge liegt darunter eine weit verzweigte, aus dem Fels geschlagene Krypta. In ihr sollen Ehorn Weißfels und alle späteren Ratsritter bestattet worden sein.
Vor knapp hundert Jahren beschloss der Rat, große Teile der Burg zu verkaufen und die Räume besser zu nutzen. Seither befinden sich an der Innenseite der Mauern herrschaftliche Wohnungen, Werkstätten und Geschäfte. Zwei davon sind weit über Pretin hinaus bekannt.
Krämer „Turmspitz“
Der Krämerladen Turmspitz nimmt einen der drei großen Burgtürme vom Keller bis zum Giebel ein. Eigentümer ist der mehr als hundert Jahre alte Halbling Samlusch Frostein, ein ausgesprochen harter Händler, der Tauschgeschäfte liebt und fast immer zu seinem eigenen Vorteil abschließt.
Alle Stockwerke sind mit Tausenden alten und verstaubten Gegenständen gefüllt. Viele besitzen eine bemerkenswerte Geschichte, doch kennt nicht einmal Samlusch zu jedem Stück Herkunft und Wert. In den vergangenen Jahren verkaufte er wertvolle Manuskripte, Schatzkarten sowie seltene elfische und zwergische Gegenstände weit unter Preis. Seine Wut darüber hat ihn verbittert und noch misstrauischer gemacht.
Samlusch ist edlen Feentränen und dem berüchtigten Steinlausschnaps nicht abgeneigt. Wer ihn „Frosch-Stein“ nennt, sollte den Turm besser schnell verlassen.
Alchemist „Heptalon“
Furgarion Heptalon ist Meisterheiler und weit über die Stadt hinaus für die Behandlung von Krankheiten, Vergiftungen und Knochenbrüchen bekannt. Er lebt über dem alten Nordtor und unterhält dort drei Behandlungszimmer, einen Ruheraum und ein gut ausgestattetes Labor. Zwei Gehilfen unterstützen ihn bei der Versorgung seiner Patienten.
Heptalon teilt seine Erkenntnisse bereitwillig mit anderen Heilkundigen. Gegen einen kleinen Obolus dürfen sie sein Labor verwenden und seine Rezeptbücher einsehen; Kollegen berät er gewöhnlich kostenlos. Bei einer Behandlung bestimmt er jedoch Raum, Nahrung und Tagesablauf seiner Patienten mit unerbittlicher Genauigkeit.
Gerüchten zufolge ist Heptalon der Leibarzt der fünf Ratsritter und kennt einen alten Geheimgang vom Nordtor zur Ratshalle. Magische Heilung lehnt er grundsätzlich ab. Nach seiner Ansicht kann die augenblickliche Wiederherstellung des Körpers die Genesung des Geistes verhindern.
Herrschaft und Glaube
Ehorns Erbe
Ehorns Thron war ursprünglich die befestigte letzte Ruhestätte von Ehorn Weißfels, einem frühen Ritter im Dienst des Ignatus-Ordens. Ehorn zog mit seinem Gefolge durch die Lande, bekämpfte Ungeheuer und Plünderer und gewann damit das Vertrauen der Bevölkerung. Sein Wirken trug erheblich dazu bei, den Glauben an Ignatus in Cor zu verbreiten. Der Orden unterstützte ihn mit Geld und Schenkungen ganzer Landstriche.
Auf dem Sterbebett ernannte Ehorn fünf seiner tapfersten Gefährten zu seinen „Söhnen im Geiste“. Er vertraute ihnen die Vision eines glücklichen, goldenen Landes an. Die fünf Ritter schworen, diese Vision fortzuführen, und verbanden ihr Amt mit fünf einzigartigen Siegelringen. Seither werden die Ringe von Ratsritter zu Ratsritter weitergegeben.
Der Rat der Fünf
Der Rat der Fünf regiert Pretin gemeinschaftlich. Die Ratsritter beraten über wichtige Angelegenheiten, ernennen Verwalter und halten regelmäßig Audienzen ab, bei denen auch einfache Bürger ihre Anliegen vorbringen können. In der öffentlichen Überlieferung gelten sie als ungewöhnlich einig; offene Berichte über Verrat oder Missgunst innerhalb des Rates sind nicht bekannt.
Ob diese Eintracht allein auf Tradition und sorgfältiger Auswahl beruht, ist Gegenstand vieler Geschichten. Über die fünf Siegelringe heißt es unter anderem:
- Jeder Ring berge einen Teil von Ehorns Seele. Sobald die fünf Träger zusammenkommen, erscheine sein Geist und leite ihre Entscheidung.
- Die Ratsritter seien keine Menschen mehr, sondern Engel, denen die Ringe menschliche Gestalt verleihen.
- Die Ringe zwängen jeden, der sich den Ratsrittern gegenüber verantworten muss, zur Wahrheit.
Diese Erzählungen werden in Schenken und auf Festen gern wiederholt. Der Rat selbst äußert sich nicht dazu.
Der Ignatus-Kult besitzt großen Einfluss auf die Stadt. Der Rat unterstützt den Fürsten der Malenei vor allem in Angelegenheiten, die mit den Lehren und Interessen der Kirche vereinbar sind. Umgekehrt kann der Fürst Entscheidungen Pretins gegen den Willen des Ordens kaum durchsetzen.
Das Große Turnier
Das Große Turnier findet jedes Jahr einen Monat nach dem Sommerfest statt. Es gehört neben den Wettkämpfen von Kalesch, Adar und Barden zu den bedeutendsten Turnieren der Menschen. Anders als bei den prunkvollen Schauspielen in Kalesch tritt in Pretin jeder Ritter im Wesentlichen für sich selbst an.
Die Teilnehmer müssen sich sowohl im Kampf zu Fuß als auch auf einem Reittier bewähren. Neben Pferden werden Reitechsen und in seltenen Fällen sogar Greifen oder Pegasi zugelassen. Gefordert werden Kampfkunst, Reitkunst, Geschicklichkeit und Ausdauer. Trotz stumpfer Übungswaffen enden einzelne Begegnungen mit schweren Verletzungen oder Todesfällen.
Da die Zahl der Bewerber beständig steigt, werden Vorentscheidungen in großen Scheingefechten ausgetragen. Erst wer diese übersteht, darf am eigentlichen Turnier teilnehmen.
Während des Festes wächst Pretin zeitweise auf ein Vielfaches seiner gewöhnlichen Größe an. Zu den Rittern kommen ihre Gefolge, Schauspieler, Gaukler, Handwerker und fahrende Händler. Das Zeltmeer und seine zahllosen Feldzeichen gaben Pretin den Beinamen Stadt der 1000 Banner.
Die Ritter Pretins
Wohlhabende Bürger können ihre Söhne und Töchter einem Pretiner Ritter zur Ausbildung anvertrauen. Die Lehrzeit ist lang und entbehrungsreich; manche Zöglinge sehen ihre Familien mehrere Jahre nicht.
Neben Kampf, Reitkunst und ritterlicher Sitte umfasst die Ausbildung die Glaubenslehre des Ignatus, die Kunde von Dämonen und Wesen der Todesmagie, das Recht des Mittelreichs sowie Sagen über die Entstehung der Welt. Lesen, Schreiben und Rechnen gehören ebenfalls dazu.
Der Lehrmeister bürgt mit seinem Namen für seinen Zögling. Wenn er die Ausbildung für beendet hält, gestattet er die Teilnahme am Großen Turnier. Danach wird der junge Ritter aus seinem Dienst entlassen und erhält gewöhnlich Schwert, Schild und einen Waffenrock mit eigenem Wappen.
Fürsten aus anderen Ländern beobachten die Wettkämpfe und werben vielversprechende Kämpfer für ihr Gefolge an. Auch der Rat der Fünf soll jedes Jahr einzelne junge Ritter auswählen und deren weiteren Weg verfolgen. Ob sie als spätere Nachfolger der Ratsritter vorgesehen sind, bleibt unbekannt.
Truppenstärke
Pretin hält rund 400 schwer gepanzerte Ritter unter Waffen. Mit Gefolge und Unterstützungstruppen kann die Stadt mehr als 2.000 Kämpfer aufbieten. Nicht alle Ritter leben ständig in Pretin; durch Boten und Brieftauben können jedoch binnen weniger Tage etwa 300 von ihnen zusammengezogen werden.
Die schwere Reiterei ist für geschlossene Angriffe auf offenem Gelände ausgebildet. Auf Hornsignale kann sie ihre Angriffsrichtung rasch ändern und Verteidigungsstellungen umgehen. Diese Beweglichkeit, die gute Pferdezucht und die große Zahl erfahrener Ritter machen Pretin zu einer der stärksten einzelnen Militärmächte der Malenei.
Wirtschaft und Handwerk
Die Pferdezucht ist der bekannteste Wirtschaftszweig Pretins. Der Begriff Pretiner Hengst gilt im Mittelreich als Synonym für ein besonders schnelles Pferd. Solche Tiere werden unter anderem von den Blauen Reitern, den Pfeilboten und den Boten des Sturmfalken eingesetzt. Daneben züchten die Ritter kräftige Streitrösser, die einen gepanzerten Reiter samt Waffen und eigener Pferderüstung tragen können.
Eng mit der Reiterei verbunden ist die Herstellung von Waffen, Rüstungen, Schilden und Reitzeug. Die Meisterwerkstätten Pretins genießen einen ausgezeichneten Ruf, verlangen aber entsprechend hohe Preise. Sattler, Hufschmiede, Wagner und Tierheiler finden in der Stadt das ganze Jahr über Arbeit.
Pretin ist außerdem für ein leichtes Bier bekannt, das zu fast jeder Mahlzeit getrunken wird und während des Turniers reißenden Absatz findet. Bei Zwergen gilt es dagegen als ausgesprochen dünn.
Die umliegenden Äcker und großen Kornspeicher sichern einen Teil der Versorgung. Das Große Turnier überfordert die örtlichen Vorräte dennoch regelmäßig, sodass Händler schon Wochen zuvor Getreide, Fleisch, Futter und Brennholz aus der Malenei und aus Cor heranschaffen.
Politische Beziehungen
Fürst der Malenei
Der Rat erkennt die Herrschaft des Hauses Parping grundsätzlich an, folgt dem Fürsten jedoch nur, solange dessen Forderungen mit den Interessen Pretins und des Ignatus-Ordens vereinbar sind. Die eigene Truppenstärke und die weitgehend gesicherte Versorgung verleihen der Stadt dabei erheblichen Handlungsspielraum.
Kaiserreich
Kaiser Illiasan bestätigte die bestehenden Verträge mit dem Ignatus-Kult. Daher stehen die Ritter Pretins trotz der Unabhängigkeit der Fürstentümer und trotz des elfischen Blutes des Kaisers weiterhin loyal zu ihm.
Illiasans Herkunft hat jedoch eine innerstädtische Debatte ausgelöst. Bislang können nur Menschen zu Rittern Pretins erhoben werden. In der Stadt und möglicherweise auch im Rat wird darüber gestritten, ob diese Beschränkung noch mit Ehorns Erbe vereinbar ist.
Andere Fürstentümer
Das Verhältnis zu Barden ist von Misstrauen und Feindschaft geprägt. Die äußerst abwertenden Beschreibungen Bardens, die in Pretin verbreitet werden, spiegeln vor allem die Haltung des Rates und der dortigen Ritterschaft wider. Das Bündnis zwischen Barden und Urtha wird als mögliche Bedrohung betrachtet.
Mit Kaer verbindet Pretin die gemeinsame Nähe zum Ignatus-Kult. Das Bündnis beider Länder begrenzt zugleich Bardens militärischen Handlungsspielraum.
Mit Urtha besteht ein lockeres Handelsabkommen. Pretin liefert Getreide, Fleisch und Bier und erhält dafür Eisenerzeugnisse, Erze und Rodungsrechte am Nordhang des Harratgebirges. Beide Seiten wissen, dass das Verhältnis vor allem aus gegenseitigem Nutzen und politischer Vorsicht besteht.
Gerüchte und Abenteuerideen
- Kurz vor dem Großen Turnier verschwindet einer der fünf Siegelringe. Der Rat versucht, die Suche geheim zu halten, während sich bereits falsche Träger zu erkennen geben.
- In Samlusch Frosteins Turm wird eine alte Karte gefunden, die einen Raum unter der Krypta zeigt. Der Halbling kann sich weder an ihren Erwerb noch an ihren Verkauf erinnern.
- Mehrere Pretiner Hengste brechen in derselben Nacht aus ihren bewachten Ställen aus und laufen geschlossen nach Norden.
- Eine nichtmenschliche Ritterin gewinnt die Vorentscheidung des Turniers und fordert öffentlich ihre Aufnahme in die Pretiner Ritterschaft.
- Ein Bote bringt Beweise dafür, dass das Bündnis zwischen Barden und Urtha anders lautet, als der Rat bisher angenommen hat.