Talhus: Unterschied zwischen den Versionen
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[[Datei:Talhus_Stadtansicht.png|mini|hochkant=1.8|Talhus mit seiner hölzernen Zufahrtsstraße und den über den gesamten Talkessel verteilten Siedlungen]] | |||
'''Talhus''' ist mit etwa 20.000 Einwohnern die größte Stadt der [[Täler des Großen Rückens|Täler des Großen Rückens]] und die größte mittelländische Siedlung östlich von [[Cor]]. Sie liegt in einem weiten Talkessel, der von zwei Ausläufern des Großen Rückens wie ein Hufeisen umschlossen wird. Anders als die meisten großen Städte des Kaiserreichs besitzt Talhus keine Stadtmauer und kein klar abgegrenztes Stadtgebiet. Häuser, Höfe, Werkstätten und Speicher verteilen sich über den Talboden und die inneren Berghänge; erst um den zentralen Markt verdichtet sich die Bebauung zu einem geschlossenen Stadtkern. | |||
Talhus ist der bedeutendste Handelsplatz der Gebirgstäler. Hier sammeln Zwischenhändler Holz, Erze, Stein, Werkzeuge, Schnitzwaren und Lebensmittel, bevor sie über einen Zubringer zur [[Große Handelsstraße|Großen Handelsstraße]] weitertransportiert werden. Reisende kennen die Stadt außerdem für ihre Brauereien, die Schnitzstuben der [[Hügelzwerge]] und die Jagdgesellschaften, die von hier in die nahen [[Generationenwald|Generationenwälder]] aufbrechen. | |||
== Lage und Anreise == | |||
Von [[Kaer]] erreicht man das Tal nach drei Tagesmärschen in nordöstlicher Richtung. Ein gewaltiger Gebirgskamm verbirgt den Talkessel lange vor den Blicken der Reisenden. Etwa 30 Meilen weiter nördlich beginnt ein zweiter Ausläufer des Großen Rückens; zwischen beiden liegt Talhus. | |||
Die letzte Tagesetappe führt über einen gut ausgebauten Zubringer zur Großen Handelsstraße. Tavernen, Wirtshäuser, Fuhrhöfe und Rastplätze liegen in Abständen von wenigen Meilen am Weg. Sie versorgen Händler, Fuhrleute und Jagdgesellschaften und bieten im Winter Schutz, wenn Wetterumschwünge die Weiterreise verhindern. | |||
Wenige Meilen vor Talhus geht die Straße in eine gewaltige Holzkonstruktion über. Auf schweren Stützen und mit zahlreichen Seilzügen gesichert, gleicht sie eher einer am Boden verankerten Brücke als einem gewöhnlichen Weg. Über eine Strecke von rund drei Meilen überspannt sie Schluchten von bis zu 30 Schritt Tiefe. An mehreren Kontrollpunkten wachen Soldaten der Stadt, gelegentlich verstärkt durch kaiserliche Truppen. | |||
Über der Zufahrt ragen zwischen gewöhnlichen Tannen und Laubbäumen einzelne gewaltige Mammutbäume auf. Nach der letzten großen Brücke bricht der Wald abrupt ab und gibt den Blick über den gesamten Talkessel frei. | |||
== Stadtbild == | |||
Bei Nacht wurde Talhus treffend mit einem Busch voller Glühwürmchen verglichen. Lichter aus Häusern, Werkstätten und Nachtfeuern liegen über das ganze Tal verstreut. Da Entfernungen in der Dunkelheit verschwimmen, wirken die einzelnen Siedlungsgruppen wie eine einzige leuchtende Stadt. | |||
Am Tag zeigt sich die ungewöhnliche Ausdehnung. Der gesamte Talkessel ist bis in mittlere Höhenlagen erschlossen. Breite Straßen verbinden Häusergruppen, Scheunen, Werkstätten, Speicher und kleinere Plätze. Fast jedes nutzbare Stück Land gehört einer Familie, einem Gut oder einem Gewerbebetrieb. Zum Zentrum hin stehen die Häuser enger, bis die Umgebung des großen Marktplatzes einer gewöhnlichen Stadt des Mittelreichs gleicht. | |||
Eine Mauer gibt es nicht. Auch die Straßen entsprechen nicht dem Bild einer gepflegten Residenzstadt: Fuhrwerke tragen Stroh, Lehm und Erde aus den Außenbereichen bis in den Stadtkern. Dennoch besitzt Talhus alle Einrichtungen einer großen Handelsstadt. Kontore, Herbergen, Tempel, Schankhäuser, Speicher und Werkstätten liegen rings um den Markt und an den wichtigsten Straßen. | |||
Holz wird in Talhus trotz des Waldreichtums sparsam als Baumaterial verwendet. Hochwertige Stämme sind Handelsware, und die Wälder der Umgebung dürfen nicht beliebig genutzt werden. Deshalb bestehen viele Gebäude, Mauern und Einfriedungen aus Stein. Die höher gelegenen Wohnplätze bieten weite Ausblicke über das Tal und sind entsprechend begehrt. | |||
== Bevölkerung und Alltag == | |||
Die meisten Einwohner sind Menschen aus den Gebirgstälern. Viele Familien verbinden Landwirtschaft mit einem Handwerk, Fuhrwesen oder saisonaler Arbeit in den Speichern. Kaufleute und Zwischenhändler aus Cor leben vor allem nahe dem Zentrum, während alte Talhuser Familien häufig weitläufige Grundstücke an den Hängen besitzen. | |||
Talhus beherbergt außerdem eine kleine zwergische Gemeinde. [[Hügelzwerge]] wohnen überwiegend in niedrigen, oberirdischen Häusern am Rand der Stadt und arbeiten als Schnitzer, Schreiner, Brauer oder Händler. Eine Gruppe von [[Grauzwerge|Grauzwergen]] nutzt eine gesicherte, stillgelegte Mine als Handelsposten, Karawanenstation und Warenlager. Der befestigte Zugang ist bewacht; Fremde erhalten nur zu den Geschäftsräumen Zutritt. | |||
Das Stadtleben folgt dem Rhythmus der Warenströme. Im Frühjahr werden Wege und Brücken ausgebessert. Im Sommer treffen Holzfäller, Bergleute und Händler aus den abgelegenen Tälern ein. Der Herbst bringt die größten Märkte und volle Speicher. Im Winter werden manche Verbindungen unpassierbar; dann leben viele Bewohner von eingelagerten Vorräten, Reparaturarbeiten und den Geschäften innerhalb des Tals. | |||
== Herrschaft, Recht und Sicherheit == | |||
Talhus wird im Namen des Kaisers von einem Statthalter verwaltet. Er erhebt Abgaben, unterhält die Stadtwache und ist für Straßen, Brücken und die Sicherheit der wichtigsten Handelsplätze verantwortlich. Weil die Stadt weder Mauern noch eindeutige Grenzen besitzt, konzentriert sich der Schutz auf den Stadtkern, die Zufahrten und einzelne Wachposten an den Hängen. | |||
Die Rechtsprechung liegt wie in den übrigen Tälern beim [[Kult des Jedek|Jedek-Kult]]. Händlerstreitigkeiten werden häufig unter Beteiligung des [[Kult des Mernat|Mernat-Kults]] geschlichtet, der in Talhus ungewöhnlich großen Einfluss besitzt. Zwischen Statthalter, Kulten und reichen Handelshäusern muss daher immer wieder ausgehandelt werden, wer über Märkte, Speicher und Straßen entscheidet. | |||
An der hölzernen Zufahrtsstraße kontrollieren Wachen Reisende und Ladungen. In der Umgebung dienen außerdem die '''Jäger''', eine auf Aufklärung und Kampf im Gebirge spezialisierte Einheit. Sie verfolgen Räuber, suchen Vermisste und schützen wichtige Wege, können jedoch nicht jeden abgelegenen Hof erreichen. | |||
== Handel und Handwerk == | |||
Viele Händler aus dem Westen reisen nicht weiter als Talhus. Stattdessen kaufen Zwischenhändler die Erzeugnisse der Gebirgstäler auf, lagern sie in großen Speichern und organisieren den Weitertransport. Dadurch verfügt die Stadt über zahlreiche Kontore, Fuhrhöfe und Warenlager. Holz, Erze, bearbeiteter Stein, Werkzeuge, Waffen, Möbelteile und Lebensmittel gehören zu den wichtigsten Gütern. | |||
Die Lage am Ende einer aufwendigen Zufahrtsstraße macht Transportkapazität zu einem eigenen Geschäft. Fuhrleute, Brückenmeister, Tierhalter und Wirte verdienen an jedem Wagenzug. Beschädigungen der Holzkonstruktion oder Streit an einem Kontrollpunkt können den Handel der gesamten Region aufhalten. | |||
Vor einigen Jahren haben die [[Grauzwerge]] einen kleinen Handelsposten in der Nähe einer alten zwergischen Mine eingerichtet. Der mürrische Händler '''Grom Graubart''' hat kein großes Angebot an zwergischen Waren, sondern bevorzugt den Tauschhandel mit Rohstoffen, vor allem Erzen, Stahl, sowie unraffiniertem Gold und Silber. Wer es schafft ihn mit einer harten Verhandlungstaktik zu überzeugen, kann das Privileg erhalten, echte grauzwergische Waffen oder Rüstungsteile zu erwerben." | |||
=== Die Schnitzstuben === | |||
Hügelzwerge sind für ihr Können in der Holzbearbeitung bekannt. Als menschliche Handwerker zunehmend nicht mehr mit ihren Erzeugnissen konkurrieren konnten, untersagten die damaligen Machthaber den Zwergen, Gegenstände von mehr als einem Kubikfuß Größe herzustellen. Die Zwerge reagierten, indem sie sich auf kleine Schnitzwaren und präzise Einzelteile für Möbel spezialisierten. | |||
Diese Werkstätten werden in Talhus '''Schnitzstuben''' genannt. Ihre Griffe, Beschläge, Verzierungen und passgenauen Verbindungsteile werden von menschlichen Handwerkern zu größeren Möbeln zusammengesetzt. Das alte Verbot besteht damit zwar dem Wortlaut nach fort, hat die zwergischen Werkstätten jedoch eher gefördert als verdrängt. | |||
=== | === Talhuser Bier === | ||
Die Nachbarschaft zu den Zwergen hat die Braukunst der Menschen über Jahrhunderte angespornt. Das '''Talhuser Dunkle''' gilt als eines der besten Biere des Mittelreichs und soll nach Ansicht der Einheimischen zwergischen Bieren ebenbürtig sein. | |||
Fünf große Brauereien, darunter eine zwergische, wetteifern beim jährlichen Talhuser Mernatsfest um den Titel des besten Bieres. Das Fest ist zugleich Handelsmesse, religiöse Feier und gesellschaftlicher Höhepunkt. Neue Verträge werden geschlossen, riskante Geschäfte gesegnet und alte Streitigkeiten bei Bier und öffentlichem Wettstreit neu ausgetragen. | |||
== Jagd und Generationenwald == | |||
In der Nähe von Talhus liegen große Generationenwälder. Von außen können sie wie bewaldete Hügel wirken, tatsächlich bestehen sie aus vielen übereinander gewachsenen Waldschichten. Im Inneren bilden Wurzeln, Stämme und überwachsene Kronen ein Labyrinth aus Gängen, Kammern und dunklen Ebenen. Holzfäller meiden die ältesten Bereiche, obwohl die gewaltigen Bäume großen Gewinn versprechen. | |||
In den letzten Jahren hat sich ein einträgliches Geschäft mit jungen Adligen aus Cor entwickelt. Wohlhabende Frauen und Männer reisen mit Gefolge nach Talhus und brechen unter Führung erfahrener Jäger zur Großwildjagd auf. Besonders begehrt sind [[Baumhummer]], deren Scheren eindrucksvolle Trophäen abgeben. Manche Jagdgäste träumen davon, ein [[Krihkar]] oder gar einen [[Baumdrache|Baumdrachen]] zu erlegen. | |||
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[[ | Die örtlichen Führer wissen, wie gefährlich solche Wünsche sind. Immer wieder gibt es Schwerverletzte oder Tote, meist unter Begleitern und Bediensteten. Gelegentlich kehren ganze Jagdgesellschaften nicht zurück. An den Hängen mit der besten Aussicht wurden dennoch luxuriöse Jagdhütten errichtet. Die Konkurrenz um solche Grundstücke hat die Preise weit über den Wert gewöhnlicher Talhöfe steigen lassen. | ||
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== Die alten Silberminen == | |||
Als Talhus noch ein kleines Dorf im Wald war, betrieben Grauzwerge in seiner Umgebung mehrere Silberminen. Die Lagerstätten sind seit Jahrhunderten erschöpft. Große Teile des Stollennetzes wurden aufgegeben, sind eingestürzt oder von Tieren und anderen Wesen bezogen worden. | |||
Kinder, Holzfäller und Jäger entdecken immer wieder vergessene Zugänge. Die Behörden lassen bekannte Öffnungen sperren, können das weit verzweigte Netz aber nicht vollständig überwachen. Nur besonders Mutige, Gierige oder Unvorsichtige dringen tiefer vor. Die meisten kehren mit leeren Händen zurück; manche werden nie wieder gesehen. Die wenigen wertvollen Funde genügen, um immer neue Schatzsucher anzulocken. | |||
Der heutige grauzwergische Handelsposten nutzt nur einen kleinen, gesicherten Teil einer ehemaligen Mine. Seine Bewohner bestreiten, dass von dort eine Verbindung zu den alten Silberstollen besteht. | |||
== Elfensteine == | |||
Tief in der Nähe größerer Generationenwälder liegen Findlinge, die vollständig mit feinen Zierlinien bedeckt sind. Sie werden als '''Elfensteine''' bezeichnet. Nur wenige Menschen suchen diese Orte auf, denn Erzählungen berichten von elfischen Druiden, die Eindringlinge verfluchen und den Wald bewachen. | |||
Magier haben die Steine wiederholt untersucht. Eine neuere Theorie deutet sie als Ankerpunkte eines alten Teleportzaubers. Sollte es gelingen, sie zu reaktivieren, könnten sie eine Verbindung zu den Elfen oder zu unbekannten Bereichen der Generationenwälder öffnen. Bislang ist jedoch nicht geklärt, ob die Linien tatsächlich magisch sind oder ob jeder Aktivierungsversuch erst die befürchteten Wächter auf den Plan ruft. | |||
== Bedeutende Orte == | |||
* '''Die hölzerne Zufahrtsstraße''' – eine drei Meilen lange Brückenkonstruktion über mehrere Schluchten und die wichtigste Verbindung zur Großen Handelsstraße | |||
* '''Der zentrale Markt''' – Handelsplatz, Treffpunkt und Standort des jährlichen Mernatsfestes | |||
* '''Die fünf Brauereien''' – Hersteller des Talhuser Dunklen und wirtschaftliche Rivalen | |||
* '''Die Schnitzstuben''' – hügelzwergische Werkstätten für kleine Schnitzwaren und Möbelteile | |||
* '''Der grauzwergische Handelsposten''' – befestigtes Lager und Karawanenstation in einer stillgelegten Mine | |||
* '''Die Jagdhütten''' – luxuriöse Unterkünfte an den aussichtsreichen Hängen | |||
== Gerüchte und Abenteuerideen == | |||
* Nach einem Unwetter senkt sich ein Abschnitt der hölzernen Zufahrtsstraße. Eine Reparaturmannschaft entdeckt, dass mehrere tragende Balken absichtlich angesägt wurden. | |||
* Eine der fünf Brauereien kauft heimlich sämtliche Vorräte einer seltenen Zutat auf. Kurz vor dem Mernatsfest verschwinden zwei Braumeister der Konkurrenz. | |||
* In einem neu geöffneten Silberstollen finden Schatzsucher frische zwergische Wegzeichen. Der grauzwergische Handelsposten bestreitet jede Beteiligung. | |||
* Eine Jagdgesellschaft aus Cor kehrt ohne ihren adligen Auftraggeber zurück. Die Führer behaupten, er habe sich allein auf die Spur eines Baumdrachen gesetzt. | |||
* Einer der Elfensteine beginnt während eines Gewitters zu leuchten. Am nächsten Morgen führt ein unbekannter Pfad tiefer in den Generationenwald. | |||
* Ein Händlerzug mit wichtigen Wintervorräten bleibt an einem Kontrollpunkt verschwunden. Wachen, Fuhrleute und Mernat-Templer beschuldigen einander. | |||
* An einem abgelegenen Hang erscheinen Nacht für Nacht neue Lichter, obwohl dort keine Häuser verzeichnet sind. Von Nahem findet man nur einen verschlossenen alten Mineneingang. | |||
== Siehe auch == | |||
* [[Täler des Großen Rückens]] | |||
* [[Generationenwald]] | |||
* [[Große Handelsstraße]] | |||
* [[Kaer]] | |||
* [[Hügelzwerge]] | |||
* [[Grauzwerge]] | |||
Aktuelle Version vom 6. August 2026, 20:36 Uhr

Talhus ist mit etwa 20.000 Einwohnern die größte Stadt der Täler des Großen Rückens und die größte mittelländische Siedlung östlich von Cor. Sie liegt in einem weiten Talkessel, der von zwei Ausläufern des Großen Rückens wie ein Hufeisen umschlossen wird. Anders als die meisten großen Städte des Kaiserreichs besitzt Talhus keine Stadtmauer und kein klar abgegrenztes Stadtgebiet. Häuser, Höfe, Werkstätten und Speicher verteilen sich über den Talboden und die inneren Berghänge; erst um den zentralen Markt verdichtet sich die Bebauung zu einem geschlossenen Stadtkern.
Talhus ist der bedeutendste Handelsplatz der Gebirgstäler. Hier sammeln Zwischenhändler Holz, Erze, Stein, Werkzeuge, Schnitzwaren und Lebensmittel, bevor sie über einen Zubringer zur Großen Handelsstraße weitertransportiert werden. Reisende kennen die Stadt außerdem für ihre Brauereien, die Schnitzstuben der Hügelzwerge und die Jagdgesellschaften, die von hier in die nahen Generationenwälder aufbrechen.
Lage und Anreise
Von Kaer erreicht man das Tal nach drei Tagesmärschen in nordöstlicher Richtung. Ein gewaltiger Gebirgskamm verbirgt den Talkessel lange vor den Blicken der Reisenden. Etwa 30 Meilen weiter nördlich beginnt ein zweiter Ausläufer des Großen Rückens; zwischen beiden liegt Talhus.
Die letzte Tagesetappe führt über einen gut ausgebauten Zubringer zur Großen Handelsstraße. Tavernen, Wirtshäuser, Fuhrhöfe und Rastplätze liegen in Abständen von wenigen Meilen am Weg. Sie versorgen Händler, Fuhrleute und Jagdgesellschaften und bieten im Winter Schutz, wenn Wetterumschwünge die Weiterreise verhindern.
Wenige Meilen vor Talhus geht die Straße in eine gewaltige Holzkonstruktion über. Auf schweren Stützen und mit zahlreichen Seilzügen gesichert, gleicht sie eher einer am Boden verankerten Brücke als einem gewöhnlichen Weg. Über eine Strecke von rund drei Meilen überspannt sie Schluchten von bis zu 30 Schritt Tiefe. An mehreren Kontrollpunkten wachen Soldaten der Stadt, gelegentlich verstärkt durch kaiserliche Truppen.
Über der Zufahrt ragen zwischen gewöhnlichen Tannen und Laubbäumen einzelne gewaltige Mammutbäume auf. Nach der letzten großen Brücke bricht der Wald abrupt ab und gibt den Blick über den gesamten Talkessel frei.
Stadtbild
Bei Nacht wurde Talhus treffend mit einem Busch voller Glühwürmchen verglichen. Lichter aus Häusern, Werkstätten und Nachtfeuern liegen über das ganze Tal verstreut. Da Entfernungen in der Dunkelheit verschwimmen, wirken die einzelnen Siedlungsgruppen wie eine einzige leuchtende Stadt.
Am Tag zeigt sich die ungewöhnliche Ausdehnung. Der gesamte Talkessel ist bis in mittlere Höhenlagen erschlossen. Breite Straßen verbinden Häusergruppen, Scheunen, Werkstätten, Speicher und kleinere Plätze. Fast jedes nutzbare Stück Land gehört einer Familie, einem Gut oder einem Gewerbebetrieb. Zum Zentrum hin stehen die Häuser enger, bis die Umgebung des großen Marktplatzes einer gewöhnlichen Stadt des Mittelreichs gleicht.
Eine Mauer gibt es nicht. Auch die Straßen entsprechen nicht dem Bild einer gepflegten Residenzstadt: Fuhrwerke tragen Stroh, Lehm und Erde aus den Außenbereichen bis in den Stadtkern. Dennoch besitzt Talhus alle Einrichtungen einer großen Handelsstadt. Kontore, Herbergen, Tempel, Schankhäuser, Speicher und Werkstätten liegen rings um den Markt und an den wichtigsten Straßen.
Holz wird in Talhus trotz des Waldreichtums sparsam als Baumaterial verwendet. Hochwertige Stämme sind Handelsware, und die Wälder der Umgebung dürfen nicht beliebig genutzt werden. Deshalb bestehen viele Gebäude, Mauern und Einfriedungen aus Stein. Die höher gelegenen Wohnplätze bieten weite Ausblicke über das Tal und sind entsprechend begehrt.
Bevölkerung und Alltag
Die meisten Einwohner sind Menschen aus den Gebirgstälern. Viele Familien verbinden Landwirtschaft mit einem Handwerk, Fuhrwesen oder saisonaler Arbeit in den Speichern. Kaufleute und Zwischenhändler aus Cor leben vor allem nahe dem Zentrum, während alte Talhuser Familien häufig weitläufige Grundstücke an den Hängen besitzen.
Talhus beherbergt außerdem eine kleine zwergische Gemeinde. Hügelzwerge wohnen überwiegend in niedrigen, oberirdischen Häusern am Rand der Stadt und arbeiten als Schnitzer, Schreiner, Brauer oder Händler. Eine Gruppe von Grauzwergen nutzt eine gesicherte, stillgelegte Mine als Handelsposten, Karawanenstation und Warenlager. Der befestigte Zugang ist bewacht; Fremde erhalten nur zu den Geschäftsräumen Zutritt.
Das Stadtleben folgt dem Rhythmus der Warenströme. Im Frühjahr werden Wege und Brücken ausgebessert. Im Sommer treffen Holzfäller, Bergleute und Händler aus den abgelegenen Tälern ein. Der Herbst bringt die größten Märkte und volle Speicher. Im Winter werden manche Verbindungen unpassierbar; dann leben viele Bewohner von eingelagerten Vorräten, Reparaturarbeiten und den Geschäften innerhalb des Tals.
Herrschaft, Recht und Sicherheit
Talhus wird im Namen des Kaisers von einem Statthalter verwaltet. Er erhebt Abgaben, unterhält die Stadtwache und ist für Straßen, Brücken und die Sicherheit der wichtigsten Handelsplätze verantwortlich. Weil die Stadt weder Mauern noch eindeutige Grenzen besitzt, konzentriert sich der Schutz auf den Stadtkern, die Zufahrten und einzelne Wachposten an den Hängen.
Die Rechtsprechung liegt wie in den übrigen Tälern beim Jedek-Kult. Händlerstreitigkeiten werden häufig unter Beteiligung des Mernat-Kults geschlichtet, der in Talhus ungewöhnlich großen Einfluss besitzt. Zwischen Statthalter, Kulten und reichen Handelshäusern muss daher immer wieder ausgehandelt werden, wer über Märkte, Speicher und Straßen entscheidet.
An der hölzernen Zufahrtsstraße kontrollieren Wachen Reisende und Ladungen. In der Umgebung dienen außerdem die Jäger, eine auf Aufklärung und Kampf im Gebirge spezialisierte Einheit. Sie verfolgen Räuber, suchen Vermisste und schützen wichtige Wege, können jedoch nicht jeden abgelegenen Hof erreichen.
Handel und Handwerk
Viele Händler aus dem Westen reisen nicht weiter als Talhus. Stattdessen kaufen Zwischenhändler die Erzeugnisse der Gebirgstäler auf, lagern sie in großen Speichern und organisieren den Weitertransport. Dadurch verfügt die Stadt über zahlreiche Kontore, Fuhrhöfe und Warenlager. Holz, Erze, bearbeiteter Stein, Werkzeuge, Waffen, Möbelteile und Lebensmittel gehören zu den wichtigsten Gütern.
Die Lage am Ende einer aufwendigen Zufahrtsstraße macht Transportkapazität zu einem eigenen Geschäft. Fuhrleute, Brückenmeister, Tierhalter und Wirte verdienen an jedem Wagenzug. Beschädigungen der Holzkonstruktion oder Streit an einem Kontrollpunkt können den Handel der gesamten Region aufhalten.
Vor einigen Jahren haben die Grauzwerge einen kleinen Handelsposten in der Nähe einer alten zwergischen Mine eingerichtet. Der mürrische Händler Grom Graubart hat kein großes Angebot an zwergischen Waren, sondern bevorzugt den Tauschhandel mit Rohstoffen, vor allem Erzen, Stahl, sowie unraffiniertem Gold und Silber. Wer es schafft ihn mit einer harten Verhandlungstaktik zu überzeugen, kann das Privileg erhalten, echte grauzwergische Waffen oder Rüstungsteile zu erwerben."
Die Schnitzstuben
Hügelzwerge sind für ihr Können in der Holzbearbeitung bekannt. Als menschliche Handwerker zunehmend nicht mehr mit ihren Erzeugnissen konkurrieren konnten, untersagten die damaligen Machthaber den Zwergen, Gegenstände von mehr als einem Kubikfuß Größe herzustellen. Die Zwerge reagierten, indem sie sich auf kleine Schnitzwaren und präzise Einzelteile für Möbel spezialisierten.
Diese Werkstätten werden in Talhus Schnitzstuben genannt. Ihre Griffe, Beschläge, Verzierungen und passgenauen Verbindungsteile werden von menschlichen Handwerkern zu größeren Möbeln zusammengesetzt. Das alte Verbot besteht damit zwar dem Wortlaut nach fort, hat die zwergischen Werkstätten jedoch eher gefördert als verdrängt.
Talhuser Bier
Die Nachbarschaft zu den Zwergen hat die Braukunst der Menschen über Jahrhunderte angespornt. Das Talhuser Dunkle gilt als eines der besten Biere des Mittelreichs und soll nach Ansicht der Einheimischen zwergischen Bieren ebenbürtig sein.
Fünf große Brauereien, darunter eine zwergische, wetteifern beim jährlichen Talhuser Mernatsfest um den Titel des besten Bieres. Das Fest ist zugleich Handelsmesse, religiöse Feier und gesellschaftlicher Höhepunkt. Neue Verträge werden geschlossen, riskante Geschäfte gesegnet und alte Streitigkeiten bei Bier und öffentlichem Wettstreit neu ausgetragen.
Jagd und Generationenwald
In der Nähe von Talhus liegen große Generationenwälder. Von außen können sie wie bewaldete Hügel wirken, tatsächlich bestehen sie aus vielen übereinander gewachsenen Waldschichten. Im Inneren bilden Wurzeln, Stämme und überwachsene Kronen ein Labyrinth aus Gängen, Kammern und dunklen Ebenen. Holzfäller meiden die ältesten Bereiche, obwohl die gewaltigen Bäume großen Gewinn versprechen.
In den letzten Jahren hat sich ein einträgliches Geschäft mit jungen Adligen aus Cor entwickelt. Wohlhabende Frauen und Männer reisen mit Gefolge nach Talhus und brechen unter Führung erfahrener Jäger zur Großwildjagd auf. Besonders begehrt sind Baumhummer, deren Scheren eindrucksvolle Trophäen abgeben. Manche Jagdgäste träumen davon, ein Krihkar oder gar einen Baumdrachen zu erlegen.
Die örtlichen Führer wissen, wie gefährlich solche Wünsche sind. Immer wieder gibt es Schwerverletzte oder Tote, meist unter Begleitern und Bediensteten. Gelegentlich kehren ganze Jagdgesellschaften nicht zurück. An den Hängen mit der besten Aussicht wurden dennoch luxuriöse Jagdhütten errichtet. Die Konkurrenz um solche Grundstücke hat die Preise weit über den Wert gewöhnlicher Talhöfe steigen lassen.
Die alten Silberminen
Als Talhus noch ein kleines Dorf im Wald war, betrieben Grauzwerge in seiner Umgebung mehrere Silberminen. Die Lagerstätten sind seit Jahrhunderten erschöpft. Große Teile des Stollennetzes wurden aufgegeben, sind eingestürzt oder von Tieren und anderen Wesen bezogen worden.
Kinder, Holzfäller und Jäger entdecken immer wieder vergessene Zugänge. Die Behörden lassen bekannte Öffnungen sperren, können das weit verzweigte Netz aber nicht vollständig überwachen. Nur besonders Mutige, Gierige oder Unvorsichtige dringen tiefer vor. Die meisten kehren mit leeren Händen zurück; manche werden nie wieder gesehen. Die wenigen wertvollen Funde genügen, um immer neue Schatzsucher anzulocken.
Der heutige grauzwergische Handelsposten nutzt nur einen kleinen, gesicherten Teil einer ehemaligen Mine. Seine Bewohner bestreiten, dass von dort eine Verbindung zu den alten Silberstollen besteht.
Elfensteine
Tief in der Nähe größerer Generationenwälder liegen Findlinge, die vollständig mit feinen Zierlinien bedeckt sind. Sie werden als Elfensteine bezeichnet. Nur wenige Menschen suchen diese Orte auf, denn Erzählungen berichten von elfischen Druiden, die Eindringlinge verfluchen und den Wald bewachen.
Magier haben die Steine wiederholt untersucht. Eine neuere Theorie deutet sie als Ankerpunkte eines alten Teleportzaubers. Sollte es gelingen, sie zu reaktivieren, könnten sie eine Verbindung zu den Elfen oder zu unbekannten Bereichen der Generationenwälder öffnen. Bislang ist jedoch nicht geklärt, ob die Linien tatsächlich magisch sind oder ob jeder Aktivierungsversuch erst die befürchteten Wächter auf den Plan ruft.
Bedeutende Orte
- Die hölzerne Zufahrtsstraße – eine drei Meilen lange Brückenkonstruktion über mehrere Schluchten und die wichtigste Verbindung zur Großen Handelsstraße
- Der zentrale Markt – Handelsplatz, Treffpunkt und Standort des jährlichen Mernatsfestes
- Die fünf Brauereien – Hersteller des Talhuser Dunklen und wirtschaftliche Rivalen
- Die Schnitzstuben – hügelzwergische Werkstätten für kleine Schnitzwaren und Möbelteile
- Der grauzwergische Handelsposten – befestigtes Lager und Karawanenstation in einer stillgelegten Mine
- Die Jagdhütten – luxuriöse Unterkünfte an den aussichtsreichen Hängen
Gerüchte und Abenteuerideen
- Nach einem Unwetter senkt sich ein Abschnitt der hölzernen Zufahrtsstraße. Eine Reparaturmannschaft entdeckt, dass mehrere tragende Balken absichtlich angesägt wurden.
- Eine der fünf Brauereien kauft heimlich sämtliche Vorräte einer seltenen Zutat auf. Kurz vor dem Mernatsfest verschwinden zwei Braumeister der Konkurrenz.
- In einem neu geöffneten Silberstollen finden Schatzsucher frische zwergische Wegzeichen. Der grauzwergische Handelsposten bestreitet jede Beteiligung.
- Eine Jagdgesellschaft aus Cor kehrt ohne ihren adligen Auftraggeber zurück. Die Führer behaupten, er habe sich allein auf die Spur eines Baumdrachen gesetzt.
- Einer der Elfensteine beginnt während eines Gewitters zu leuchten. Am nächsten Morgen führt ein unbekannter Pfad tiefer in den Generationenwald.
- Ein Händlerzug mit wichtigen Wintervorräten bleibt an einem Kontrollpunkt verschwunden. Wachen, Fuhrleute und Mernat-Templer beschuldigen einander.
- An einem abgelegenen Hang erscheinen Nacht für Nacht neue Lichter, obwohl dort keine Häuser verzeichnet sind. Von Nahem findet man nur einen verschlossenen alten Mineneingang.